Anerkennung

prosa | Architektur + Stadtplanung BDA Quasten Rauh PartGmbB
Darmstadt

Katharina Rauh

Mitarbeitende: Carolin Morell, Carolin Simon, Luca Gräff, Lisa Meier, Julian Dal

GDLA | gornik denkel landschaftsarchitektur
Heidelberg

Daniel Lindemann

Mitarbeitende: Katja Beerhalter

Auszug aus dem Preisgerichtsprotokoll

Die Stärke des Projekts liegt in der städtebaulich strukturellen Konzeption. Abgeleitet aus dem integrierten Bumerangweg und einer neuen ebenfalls gebogenen westlich gelegenen boulevardartigen Wegeverbindung ergibt sich eine klare, städtebauliche Struktur des BusinessQuartiers mit querliegenden Baufeldern im Anschluss an den Kreuzhof. Die Baufelder werden von unterschiedlich geformten Freiräumen und Verbindungen gegliedert. Dabei müsste nach Einschätzung der Jury die Einbindung des Bumerangwegs, als landschaftliches Element, in die Bebauungstruktur räumliche deutlicher erfolgen. Unklar bleibt jedoch warum der große Freiraum westlich der Niederfeldstraße weder städtebaulich noch Freiraumplanerisch bearbeitet wurde.

Die Adressbildung der Gesamtanlage erfolgt von Süden als Adressierung von der Hauptstraße aus. Die Erschließung erfolgt darauf aufbauend in der Dualität von Kreuzhof und dem westlichen Erschließungsbogen als Boulevard, Kritisch diskutiert wird hierbei, dass sich die Adressen entweder zur einen oder zur anderen Seite ausrichten und keine konsequente durchgängige Adressstruktur gegeben ist. Die Möglichkeit, die Zwischenräume als Adresse zu nutzen, wurde im Rahmen der Diskussion thematisiert und grundsätzlich als Option bewerte. Die gute städtebauliche Grundstruktur generiert unterschiedliche stufenweise, realisierbare Baufelder mit einer nachvollziehbaren Gebäudetypologie.

Die Höhenstruktur der Bebauung ist spannungsvoll differenziert. Allerdings wird die Ausformung gegenüber der St. Antonius Kirche in ihrer Höhenstruktur aber auch die Maßstäblichkeit der Raumbildung sehr kritisch eingeschätzt. Unterschiedlich große Baufelder mit einer differenzierten Gebäudegröße und Gebäudehöhe lassen auf Basis eines Grundprinzips eine hohe Flexibilität und wirtschaftliche Realisierung erwarten.

Die Aspekte der verkehrlichen Erschließung des ruhenden Verkehrs sind gut gelöst. Die Quartiersgarage ist strukturell klar, die Zweiteilung aus der Lage der unterirdischen Versorgungsleitung nachvollziehbar. Die Einbindung der Quartiersgarage an die westlich gelegene bogenförmige Erschließung ist jedoch räumlich und funktional noch nicht gelungen. Die Ausbildung von einzelnen Bauabschnitten ist gut möglich, die Projektkosten sind im wirtschaftlichen Bereich zu erwarten.

Freiraum
Die klare städtebauliche Struktur versucht, einen neuen baulichen Rand vor dem »Dorf« zu formulieren, dabei auch mit elegantem Schwung an die Hauptstraße mehr oder weniger gelungen anzubinden. So entsteht ein bogenförmiger Boulevard, der ausgehend von der doppelflügeligen Quartiersgarage, konsequent in das Quartier hineinführt bis hoch zum sozialen Wohndienst, allerdings fälschlicherweise begleitet von vielen Aufenthaltsangeboten.

Dabei erscheint es unverständlich, warum das offene Ende der Bebauung an der Niederfeldstraße unbeantwortet bleibt. Damit fehlt die Verknüpfung mit dem Bestand auf der Westseite des Quartiers. Die durchgestaltete Grünfläche mit hohem Aufenthaltsangebot – trotz SEVESO Planungszone 1 – gibt hierauf keine befriedigende Antwort. Dementsprechend ist nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet im Norden in der SEVESO Planungszone 2 die Grünfläche als weitgehend unbespielbares Microwäldchen ausgewiesen ist, statt hier die Chance zum Aufenthalt zu nutzen. Auch in weiteren Bereichen versucht die Arbeit möglichst viele der vorhandenen Grünstrukturen in Form von sogenannten Microwäldchen zu erhalten, in der SEVESO Planungszone 1 sicher ein positiver Ansatz. Bumerang und »St. Antonius Steg« als übergeordnete Wegeverbindungen zum Rhein werden aufgegriffen und führen in das Quartier hinein, tragen aber leider nicht zur Betonung der denkmalgeschützten St. Antonius Kirche durch gebührende Freistellung bei, da die Bebauung sich mit ihrem Hochpunkt bis an die Bestandsbebauung heranschiebt.

Fazit
Effiziente Gebäudehüllen, ressourcenschonende Materialverwendung und klimaangepasste Strukturen in den Gebäuden und den Freiräumen sind nachvollziehbar beschrieben. Das Projekt ist im Hinblick auf Faktoren Nachhaltigkeit und energetische Qualitäten ausgerichtet, in Kombination mit der Freiraumqualität ist ein nachhaltiges Stadtquartier zu erwarten. Die Stärke des Entwurfs liegt in seiner strukturell konzeptionellen Klarheit, die durch die geschwungene Grundlage in Kombination mit den geformten Baukörpern eine klare Marke für das BusinessQuartier Wiesdorf setzt. Eigenständig und doch in der bestehenden Freiraumstruktur und Stadtstruktur verankert. Die konkrete Ausformung in der Wertschätzung des Bumerangwegs, der Höhenakzente zur St. Antonius Kirche und auch die Adressbildung mit Anschluss an das Parkhaus sieht das Beurteilungsgremium noch deutliche Defizite in der Arbeit.

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